Bericht zur Filmvorführung von THE CUT in Offenbach

Gut besuchte Filmvorführung von the The Cut im Ledermuseum Offenbach mit reger Disskussion im Anschluß

Bericht Nora Herzog

The Cut PräsentationAm 3. Juli  haben  wir den 45 minütigen Dokumentarfilm „The Cut“ der kenianischen Regisseurin Beryl Magoko zum zweiten Mal in der Rhein-Main Region gezeigt. Gefreut haben wir uns vor allem darüber, dass Beryl Magoko selbst, sowie der Produzent des Films Andreas Frowein zugegen waren und nach der Vorführung noch mit dem zahlreich erschienenen Publikum diskutierten.

Isabelle Vergé unterstützte Beryl und Andreas mit einem Vortrag zum Thema FGM/FGC über die  Formen der Beschneidung, Länder und Ethnien,bei denen die Praxis verbreitet ist, die Rolle der Religion und der Traditionshüter, sowie ganzheitliche Projekte national und international zur Aufklärung und Bekämpfung von FGM/FGC.

Thema des Films ist weibliche Genitalbeschneidung (Female Genital Mutilation FGM, Female Genital Cutting FGC) in einem kenianischen Dorf des Stammes der Kuria.

Im Verlauf des Films kommen verschiedene Personen, zumeist aus dem Dorf selbst oder aus der näheren Umgebung, die in irgendeiner Weise von dem Thema betroffen sind, zu Wort. Das sind natürlich beschnittene Frauen/Mädchen selbst, doch ebenso Beschneiderinnen, Männer, die FGM ablehnen oder befürworten, medizinisches Fachpersonal sowie unbeschnittene Frauen/Mädchen und Leute, die Aufklärungsarbeit in Bezug auf FGM leisten.

Die befragten Personen rücken als Hauptgrund für weibliche Genitalbeschneidung ganz klar den traditionellen Überbau dieses ‚Rituals‘ innerhalb der Stammesgeschichte in den Vordergrund. Die kulturelle Verwurzelung der weiblichen Beschneidung spiegelt sich darin wider, dass diese mit viel Musik und Essen als Festakt begangen wird. Zudem sagen die Interviewten deutlich, dass es bei FGM vor allem um die Bewahrung althergebrachter Bräuche und Sitten des Stammes geht.

Am Rande werden noch andere Gründe erwähnt: so z.B. die durch die Beschneidung  geminderte sexuelle Lust der Frau, die ihre Keuschheit bis zur Ehe und ihre Treue in der Ehe gewährleisten soll. Hieran gekoppelt ist ein weiteres Argument als Grund für  weibliche Genitalbeschneidung: und zwar das der Nichtverheiratbarkeit unbeschnittener Frauen, wobei hier neben dem sexuellem Aspekt auch der Aberglaube eine starke Rolle spielt.

Weiterhin gibt es sozialen Druck, der auf unbeschnittene Frauen ausgeübt wird und in die Entscheidung für oder gegen Beschneidung auf jeden Fall mit hinein spielt : Diese ungeheure gesellschaftliche Beeinflussung hin zu einer Beschneidung, die von Beschimpfung über Mobbing bis zu regelrechter Ausgrenzung und sowohl familiärer als auch gesellschaftlicher Ächtung reicht, ist ein weiterer Grund, warum viele Frauen doch einlenken und sich beschneiden lassen.

Hier muss zudem beachtet werden, dass Gemeinschaft und Zusammenhalt in afrikanischen Stämmen einen ungemein hohen Stellenwert haben, so dass ein Ausschluss vom sozialen Leben äußerst belastend wirkt.

FGM bringt ungemeine Schmerzen mit sich, die Betroffenen können während der Beschneidung ohnmächtig werden, nach der Beschneidung tagelang nicht  richtig laufen, die Wunde kann sich entzünden. Zudem besteht die Gefahr der Verblutung. Daneben gibt es natürlich auch langfristige Schäden: diese reichen von Problemen beim Urinieren bis hin zu Komplikationen bei der Geburt.

Neben diesen gesundheitlichen Schäden haben Beschneidungen noch Auswirkungen, an die man im ersten Moment vielleicht gar nicht denkt: beschnittene Mädchen werden oft sofort verheiratet und gehen daher nicht weiter zu Schule, was natürliche geringere Bildung und einen niedrigeren Lebensstandard zur Folge hat, als bei Mädchen, die noch weiter zur Schule gehen.

Neben der inhaltlichen Dimension, kommt bei diesem Film noch eine emotionale Dimension zum Tragen, bei deren Beschreibung ich nun ein wenig persönlicher werden möchte. Der Film zeigt Szenen der Beschneidung selbst, bei denen den Betroffenen ihre Schmerzen ins Gesicht geschrieben stehen, oder Sequenzen, die die Mädchen nach der Beschneidung mit an den Beinen herunterrinnendem Blut zeigen, wie sie unter Qualen durchs Dorf geführt werden. Diese Ausschnitte sind es, die den Film so eindringlich machen, da man auch auf einer emotionalen Basis angesprochen wird, und mit den Mädchen fühlt.

The Cut PublikumDie anschließende Diskussion war sehr lebhaft und aufgeschlossen, bei der noch einmal viele Aspekte der Beschneidung zur Sprache kamen.

Die Bekämpfung und Aufklärung zu FGM/FGC ist ein langwieriger Prozess, bei dem vor allem ganzheitliche Ansätze wichtig sind, wobei man sich nicht aus einer privilegierten Stellung als Weiße/r über afrikanische Verhältnisse und Realitäten erheben darf, sondern alle von FGM Betroffene (dazu zählen z.B. auch die Beschneiderinnen) auf Augenhöhe in die Aufklärungsarbeit mit einbeziehen muss, damit sich überhaupt ein langsamer Wandel hin zum Ende weiblicher Genitalverstümmelung vollziehen kann.

Einige interessierte Männer kommen zu Wort und weisen auf das Recht der Frauen auf Sexualität und Unversehrtheit und auf den Einfluss der Religion kulturübergreifend auf das  Frauenleben hin.

The Cut Beryl und AndreasBeryl und Andreas betonen, dass eine Auseinandersetzung mit der Kultur und den angeblichen Gründe der Beschneidung sehr wichtig ist, um eine erfolgsorientierte Aufklärung zu gewährleisten.

Eine Lehrerin und andere Zuschauer bestätigen,  dass so ein emotionaler Film für die Sensibilisierung notwendig ist. Die Frage ist, was sollte man machen, wenn man meint, ein gefährdetes Mädchen zu kennen? Isabelle weist auf die Beratungsstellen und die Unterrichtsmappe von TDF hin.

Eine letzte Filmvorführung im Rhein-Main Gebiet gibt es am 6.08. 2013 um 19:30 in der Naxoshalle, Waldschmidtstrasse 19, Frankfurt Bornheim

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