Nach dem Festival ist vor dem Festival

Was man in 4 Tagen alles lernen und erleben kann. 43. OpenOhr Festival Mainz.

Wir waren 4 Tage auf den OpenOhr Festival in Mainz, einem der ältesten Festivals Deutschland. Das hat man vor allem an der Zusammensetzung des Publikums gemerkt. Viele kommen schon seit Jahrzehnten, aber auch die 2. & 3. Generation war da. Gut für uns. “Nach dem Festival ist vor dem Festival”, war dann auch das Résumé der engagierten Festivalorganisator*innen nach einem langen spannenden Pfingstwochenende. Wie haben selten ein interessierteres und aufgeklärteres Publikum gefunden.

Dennoch gab es viele Fragen und unser Quiz war selbst für die Festivalbesucher*innen richtig kniffelig. Wir waren überrascht von der großen Resonanz, wo das Festival mit so viel politischem Programm, Theaterstücken und Podiumsdiskussionen aufwartet.

Trotz wilder Festivalparties und großer Tanzwut waren Veranstaltungen zum bersten voll bis auf den letzten Stehplatz im Podium- oder Theaterzelt. Selbst die leider sehr spät angesetzte Filmperle “Das Mädchenschiff”. Ein Film aus den Vorkriegsjahren zum Thema Mädchenhandel nach Südamerika. Perspektivwechsel aus den 30 er Jahren: Bürgerliche Töchter wurden aus Deutschland nach Rio de Janeiro gelockt. Außergewöhnlich zeitgemäß untermalt von einem elektronic music DJ  – 19th meets 21st  century. Um halb eins gingen bei mir aber die Lichter aus. Zum Glück wurde mir am nächsten Tag das Filmende von einer Quizspielerin erzählt.

Wir haben die Zeit auch genutzt die vielfältigen Veranstaltungen, zu besuchen. Hauptsächlich zu Themen die TERRE DES FEMMES abdeckt, wie Menschenhandel, Prostitution und Kinderarbeit.

Zum Beispiel das Podium „Vom Sexobjekt zur Billigware“. Interessant war auf der Podiumsdiskussion, dass das Publikum recht kritisch war zu den relativierenden Positionen der Grünen Politikerin Cordula Schulz-Asche und der Vertreterin von F.I.M., Gabi Schmitt, zum Thema Prostitution. Beide wollten die Rechte der Prostituierten gestärkt sehen, auch durch die aktuellen Änderungen der Gesetzgebung und waren der Meinung, dass man die Frauen in der Prostitution nicht als Opfer abstempeln dürfe und ihnen eine Eigenermächtigung ermöglichen müsse. Der Realitätscheck des Kriminalhauptkommissar Manfred Paulus hat dagegen ein ziemlich konträres Bild des Tagesgeschäftes in der Prostitution gezeichnet, dass wenig mit Selbstbestimmung und Achtung der grundlegenden Menschenrechte zu tun hat. Grudrun Mewes von der ifgbsg.org, die wir eigentlich auf dem Podium erwartet hatten, hätte diese Entwicklung sicher gefallen.

Gesinnungsmäßig fanden sich die Leute der alternativen Linken bei der Veranstaltung dann eher in der Position des ehemaligen Kripobeamten wieder, der aus seiner langjährigen Praxis der Polizeiarbeit rund um  Menschenhandel, Zwangsprostitution und organisierter Kriminalität erzählt hat. Auch bestimmt eine interessante Erfahrung. Nur die klare Zuordnung bestimmter Landsleute als Hauptakteure im Menschenhandel hat einigen Zuschauer*innen nicht geschmeckt. Aber die Entwicklung, wer wen, wann, wohin verschleppt, konnte Herr Paulus als Autor mehrerer Bücher zum Thema entsprechenden mit Statistiken und Zahlen nachzeichnen. Auch dass es natürlich schwierig ist vom Europaparlament zu erwarten, dass es die entsprechende Gesetzgebung macht, während im Großraum Strasbourg bei Sitzungen des EU Parlamentes die Deliktzahlen im Bereich Prostitution und Menschenhandel in die Höhe schießen und die finanzielle Ausstattung der Polizei seit Jahren gekürzt wird. Dabei hat er so ziemlich bestätigt was TERRE DES FEMMES seit Jahren beim Thema Prostitution feststellt. Das Gros der Frauen ist weder freiwillig noch enthusiastisch bei der Sache.

Noch krasser als das TERRE DES FEMMES Straßentheater „Frauen sind keine Ware“ hat das dann auch die Inszenierung „Kalbfleisch“ der Theatergruppe des Wiener MUK gezeigt, die mit Originalaussagen und Protokollen von Frauen in der Prostitution, Kommentaren von Freiern auf Prostituiertenbewertungsportalen und Zuhälterstatements aus Studien zur Soziologie von Freiern und Menschenhändlern ein Stück inszeniert hat, dass kaum auszuhalten war in seiner Härte und Grausamkeit. Es war aber eine außergewöhnliche multimediale Inszenierung mit sehr körperbetonten Tanz-und Bewegungssequenzen, daß man sich kaum aus dem Bann ziehen konnte und die Vielschichtigkeit der klassischen Lebensläufe wurden sehr packend inszeniert. Wie im richtigen Leben gab es dann auch doch den ein oder anderen Lacher, weil es in der Klarheit auch mal skurril und komisch wirkte und im ein oder anderen Machtgefälle der Akteure oder Machosprüchen hat das Publikum die Muster in Beziehungen generell wiedererkannt.

Auch die Nachbarstände auf der Hauptbühnenwiese waren ein Besuch wert. Attack, DGB, Internationale Justice Mission Deutschland e.V. (IJM), Aidshilfe, Nuklearer Abbau, FÖJ Deutschland Frankreich….besonders angetan hat es uns natürlich das #frei Armbändchen von der IJM.

Zum erden gab es jeden Morgen Yoga mit „Im Freiraum“ aus Mainz auf der Wiese und meine Lieblings-Acts waren die „Obszönitäten Chansons“ von Schnipo Schranke – niemand liebt so brutal rücksichtslos. The Inspector Cluzo, die Öko Rockfarmer aus der Gascogne, haben mit konkreten politischen Ansagen und ihrem Sound dafür gesorgt, dass wir das Ende von The White Stripes nicht mehr bedauern.

Hier findet ihr unsere Festivalfundstücke vom Quiz mit den Feminismus Definitionen der Quizteilnehmer*innen  und das Flyersammelsurium. Und natürlich unsere Lösungen. Die meisten sind wirklich toll und ermutigend, es gab nur zwei seltsame Begegnungen, nämlich von einem bekennenden Freier, der uns damit schockieren wollte. Da hatten wir aber schon härtere Brocken zu kauen im öffentlichen Raum. Und ein junger Mann der uns mit der  Quotendiskussion provozieren wollte, aber letztendlich sich auf unsere Sicht der Welt eingeschwenkt hat. Das fanden wir eher lustig und das Wetter war viel zu gute Laune, um sich über so was wirklich aufzuregen. Dazu gibt es zu viele positives und Mitstreiter*innen im Großen, im Kleinen, im Privaten oder im Stillen. Besonders gefreut hat uns das Interesse der Lehrer*innen und Erzieher*innen am Unterrichtsmaterial und Unterlagen von TERRE DES FEMMES.

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Cross Media Night und Preisverleihung

Am Freitag den 30. Juni 2017 ging der 2. Awareness Preis an Stella Wagner für Ihre Arbeit “Body Trouble of Vanille Protein”

Im Rahmen der Cross Media Night und dem HFG-Rundgang fand die Preisverleihung in der Kapelle auf dem HFG Campus statt. Aufgrund der qualitativ hochwertigen Arbeiten, die dieses Jahr eingereicht wurden, fiel der Jury die Entscheidung besonders schwer. Daher gab es neben der Preisträgerin auch 3 lobende Erwähnungen.  Die Mitfrauen der unabhängigen Jury waren dieses Jahr Ana Karaminova, Lotte Meret und Veronika Kracher. Wir freuen uns die Preisträgerin im Herbst bei einem unserer SG Treffen zu begrüßen, um uns Ihre Arbeit nochmals exklusiv zu präsentieren.

Hier der Auszug der Begründung der Jury:

„Deiner Arbeit “Body Trouble of Vanille Protein” gelang es, uns sowohl ästhetisch als auch inhaltlich sehr schnell zu überzeugen.

Uns gefiel vor allem die visuelle Darstellung der Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von sinnlich-psychischem Leib und technischer Selbstoptimierung;

das Zusammenspiel von Natur (z.B .durch den Efeu) und Technik (die Rudermaschine, das IPad), welches sowohl in den Petrischalen mit den Schweißproben, als auch in dem rudernden Körper selbst sich manifestiert hat.

Darüber hinaus hat uns deine Arbeit auch aufgrund des Zusammenklangs der zahlreichen unterschiedlichen visuellen Elemente deine intensive Thematisierung mit der Thematik demonstriert.

Schlussendlich ist es Dir auch gelungen, die Installation/Performance eindrucksvoll und anschaulich zu dokumentieren, so dass sie selbst in der Reproduktion beeindrucken konnte.

An dieser Stelle unsere Komplimente und viel Erfolg weiterhin!“

Lobende Erwähnung fanden

“The forbidden Colour” von Janina Castellano

“The Weapons of Criticism cannot Replace The Criticm of Weapons” von Sriram Srivigneswaramoorthy

“BODY PIECES” von Sarah Mohr

Auch Bettina Renfro von der SG-Rhein-Main hat eine kleine Laudatio gehalten. Hier die gekürzten Worte für den Preis und die Preisträgerin Stella Wagner:

Da sind wir wieder die Feministinnen von der TDF Städtegruppe Rhein-Main.

Wir freuen uns , daß der 2. Awarenesspreis, der mit 2000 Euro dotiert ist, wieder von uns mitgefördert werden konnte.

Der Themenkomplex Diversität, Gleichstellung und Empowerment ist Arbeitalltag bei TERRE DES FEMMES. Ob bei EqualPay, One Billion Rising, wenn Frauen einmal im Jahr weltweit und gemeinsam für einen Moment den Aufstand proben, oder wir uns auf dem OpenOhr Festival gegen Menschenhandel einsetzen, Schutzräume für gewaltbedrohte Mädchen und Frauen fordern, Gewaltprävention durch Bildungsprogramme von Health Consultants in verschiedenen Communities oder das  Tutorinnenprogamm Connect für geflüchtete Frauen iniziieren.

Es ist erwünscht und ganz in unserem Sinne, wenn Geschlechterrollen hinterfragt werden. Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit ist die Utopie. Da jeder Soziologe weiß, daß gesellschaftlicher Wandel von engagierten Minderheiten oder auch der Avangarde ausgeht, fühlen wir uns hier in Kooperation mit dem Gleichstellungsreferat der HFG sehr wohl.

In welcher Welt wir leben wollen ist also klar und wir sind sehr froh, daß wir nicht alleine sind

Herzlichen Glückwunsch von der SG Rhein-Main an die Preisträger*innen.

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Preisverleihung Awareness-Preis 2017

20. HfG-Rundgang, 30. Juni bis 2. Juli 2017

Letztes Jahr mit Planschbecken und entspannter Beach-Club Atmosphäre sind wir schon gespannt auf die Nominees und Gewinner*in des 2. Awareness-Preis. Der Preis des HFG Gleichstellungsreferates wird zum zweiten Mal im Rahmen der Präsentation der Diplomarbeiten der Abschlussklassen verliehen. Los geht es am  Freitag den 30.06.2017  auf dem Schlossplatz mit der CrossMediaNight mit film- und medienbasierten Arbeiten, Konzerten und DJs. Die Preisverleihung findet um 18:00 in der Kapelle des Isenburg Schlosses statt.

Besucher*innen können sich bei der dreitägigen Veranstaltung über die künstlerische und gestalterische Arbeit aus den Bereichen Kunst, Kommunikationsdesign, Medien, Bühnenbild und Produktdesign informieren und Einblicke in die Ausbildung der HfG und in künstlerische Prozesse erhalten. Präsentiert werden Arbeiten des vergangenen Studienjahres und speziell auf die Situation abgestimmte Projekte. Am Samstagabend verwandelt sich der Schlossplatz während der langen Filmnacht mit Produktionen der HfG-Studierenden in ein Freilichtkino mit Strandstühlen.

Programm
Freitag, 30. Juni
18 Uhr: Eröffnung HfG-Rundgang + Preisverleihung (Isenburger Schloss, linke Kapelle)
bis 22 Uhr: Ausstellungen
22:30 Uhr: CrossMediaNight (Schlossplatz)

Samstag, 1. Juli
14–22 Uhr: Ausstellungen
22 Uhr: Filmnacht (Schlossplatz)

Sonntag, 2. Juli
14–20 Uhr: Ausstellungen

Ausstellungsorte
Hochschule für Gestaltung Offenbach
HfG-Campus, Schlossstraße 31
Bora-Saal, Ludo-Mayer-Str. 1
HfG-Zollamt Galerie, Frankfurter Straße 91
Kappus Seifenfabrik, Ludwigstraße 61

Eintritt frei

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Awareness Preis 2017

20. HFG Rundgang und Preisverleihung im Isenburger Schloß

Wir freuen uns, dass wir als TERRE DES FEMMES Städtegruppe Rhein-Main den 2. AWARENESS PREIS des Gleichstellungsreferats des AStA der Hochschule für Gestaltung Offenbach als Förderinnen unterstützen konnten.

Wieder gibt es einen interessanten Vortrag zum Thema Punk als

Avantgarde von Veronika Kracher, den das Gleichstellungsreferat des AStA im Vorfeld der Preisverleihung organisiert hat.

No Future For You

Vortrag Montag der 19.06., 19 Uhr in der Kapelle, HFG Offenbach.

Die Preisverleihung  findet am Freitag den 30.Juni im Rahmen des 20. HFG Rundgang 2017 statt.

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Open Ohr Festival 2017

Connect: Empowerment für geflüchtete Frauen; Foto: © Christel Wollmann-Fiedler/TERRE DES FEMMES

Foto: © Christel Wollmann-Fiedler/TERRE DES FEMMES

Ab Samstag, den 3. Juni ist die TERRE DES FEMMES Städtegruppe Rhein-Main mit einem Informationsstand auf dem 43. OPEN OHR Festival 2017 in Mainz. Unter dem Titel „Wegwerfware Mensch” beschäftigt sich das Festival mit dem Thema moderne Sklaverei. Das Festival hat uns dieses Jahr eingeladen, da das Kampagnen Thema von TERRE DES FEMMES Tür auf! Schutzräume für gewaltbetroffene Frauen und auch unsere Themen Frauenhandel oder Flucht und Frauenrecht sich mit dem Thema des Festivals überschneiden. Im Zusammenhang mit der besonderen Problematik von Frauen auf der Flucht haben sie an Aktualität und Aufmerksamkeit erfahren. Rund 30% der Geflüchteten in Deutschland sind Frauen. Wir sprechen in diesem Zusammenhang aber nicht gerne von Krise, sondern von Chancen, Bereicherung und der Möglichkeit Frauen zu stärken – unabhängig von Herkunft, sexueller Orientierung oder Religion, um nur ein paar der häufigsten Gründe für Ungleichheit und Zugangsbeschränkungen in unserer Gesellschaft zu nennen.

TDF startete gerade den 2. Zyklus des Patinnenprogrammes CONNECT – Empowerment für geflüchtete Frauen.

Auf dem Festival werden wir über unsere aktuelle Arbeit informieren und unser Stand wird eine kleine Bühne sein, um sich auszutauschen, zu informieren und unsere feministischen Lieblingstexte zu hören. Open Stage für Frauen, die was zu sagen haben  und sich trauen Ihre feministische Weltsicht kund zu tun. Für die Wissbegierigen gibt es einen kleinen Test zu feministischem Grundwissen.

Wir freuen uns Euch zu treffen!

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Der Sommer für dicke Frauen in Leggings, positive Körperwahrnehmung und Solidarität

Embrace – von Selbstliebe,  Optimierungswahn, Leistungsdruck, Erziehung und gängigen Schönheitsidealen

Zu unserer Ausstellungsvernissage hatte das Frauenreferat schon einen Empowerment Film für Diversität und Vielfalt in Bezug auf Körper und Selbstwahrnehmung für Mädchen und Frauen mitgebracht. Jetzt gibt es mit der Doku Embrace von Taryn Brumfitt gleich einen abendfüllenden Film. Auch sie haderte als dreifache Mutter mit ihrem „After Baby Body“.  Sie gründete 2013 die Body Image Movement und suchte per crowd funding Geld für ihre Dokumentation. So kam Schauspielerin Nora Tschirner mit ins Boot, die den Film in Talkshows und Frauenzeitschriften promotet.

Laut Schauspielerin Nora Tschirner, die mitproduziert und finanziert hat, sollte er in jeder Schule gezeigt werden, weil viele Frauen, die eigentlich was zu sagen und ein riesen Potenzial haben, vergeuden Energie indem Sie mit Ihren Körpern hadern. Bei vielen wird es dann besondern ausgeprägt nach der Mutterschaft. Zum Trost nicht nur Mütter verlieren nach den Kindern Ihre Form. Aber auch Nora Tschirner gibt im Interview für das Frauenmagazin Brigitte zu, dass es bei Themen wie Equal Pay viel von einem abverlangt, den eigenen Wert selbstbewußt festzulegen. Ihr Fazit: „Wer gleichwertig verhandelt verdient auch equal.“

Wir hoffen, dass es nicht wie jedes Jahr der kurze Panik Moment und Empörungsaufschrei vor der Badesaison ist, weil selbst das Sommermagazin von Asos oder eben Brigitte und Spiegel online konterkarieren Ihr sonstiges Diät und Modeprogramm mit Anti-Bodyshaming Beiträgen. Wir erinnern uns: Brigitte hat ihre Models von der Straße und aus dem prallen Leben abgeschafft, weil das „war zu kompliziert und teuer“ und „Frauen wollen nicht ihresgleichen im Magazin sehen“. Das Problem war auch, dass man noch mehr Komplexe gekriegt hat wenn 4-fach Mütter, beruflich erfolgreich, rank und schlank in der Brigitte abgelichtet wurden. Irgendwie kamen die wirklich gewichtigen Frauen nicht aufs Titelblatt. War wohl nicht absatzfördernd.

Spiegel online Autorin Margarete Stokowski plädiert für mehr dicke Frauen in Leggins, um die Sehgewohnheiten zu ändern. Wobei ich nicht dem Eindruck habe, dass die Anzahl der Leggingsträger*innen da wirklich das Problem sind, sondern die blöden Blicke und fiesen Kommentare der Umwelt. „Muss das sein“ ist noch das Harmloseste.

Da ist das Asos Sommer Magazin schon konkreter. Aufstehen und Gegenmeinung äußern, abfällige Kommentare in der Öffentlichkeit nicht kommentarlos hinnehmen oder durchgehen lassen und für Frauen, die es trifft Rückendeckung geben und das Wort ergreifen. Wobei die Fotostrecken im Magazin der üblichen schlank und jung Ästhetik entsprechen, bis auf die zwei Natur-Nackedeis zum Manifest von Fotografin und Künstlerin Yumna Al-Arashi. Den einzigen Punkt, den ich und meine Freundin nicht so ganz nachvollziehen konnten war „Wenn Deine Freundin in etwas absolut unvorteilhaftem aus dem Haus geht, sag was.“  Das war nach unserem Geschmack zu nah an, Frau muss immer das Beste aus sich machen. Wozu? Heute bin ich mal häßlich. Ansonsten hat uns das 5 Punkte Programm, mit den Rubriken Sag was – Hör Hin – Wachse – Unterstütze – Sei stolz, gut gefallen.

Neu ist das wie gesagt nicht. Alle Jahre wieder und meine erste Erinnerung eines Manifestes zu Körperselbstbehauptung war von den Artsluts Ende der Achtziger, das eine geradezu grausame Aktualität hat und auch Caitlin Morans Manifesto #Moranifesto und Ihre Vlog Beiträge wie Letter to a Teenage Girl stoßen nach über 30 Jahren ins gleiche Horn. Irgendwie sind Frauen auf dem Ohr etwas taub.

Embrace Trailer Deutsch

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Lange Filmnacht mit Where to, Miss?

Lange Nacht des Menschenrechts-Films in Haus am Dom mit Filmscreenings, Filmgespräch und  Infotisch der Städtegruppe

FilmplakatChantni: Was denkst Du über die Vergewaltigungen in Delhi? Hast Du Angst?

Devki: Natürlich habe ich Angst, aber ich kann nicht andauernd in Angst leben. Wenn wir Angst haben, haben die Kinder nach uns auch Angst. Ich bin die Älteste zu Hause, wenn ich meine Angst zeige, werden meine Geschwister auch diese Ängste übernehmen.

Chantni: Unterstützt Dich Dein Vater, Devki?

Devki: Nein, mein Vater unterstützt mich nicht. Er hat mich früher geschlagen. Er hat mich am Ventilator festgebunden und dann hat er ein nasses Handtuch genommen und mich 3 bis 4 Stunden verprügelt.

Mehr als im kurzen Dialog des Trailers braucht man zum Thema Häusliche Gewalt oder Menschenrechtsverletzungen an Frauen nicht zu sagen. Eigentlich. Er dokumentiert genau, was die Gewalt mit den Frauen anstellt und welche absurden Strategien Frauen entwickeln, um damit weiter zu leben oder trotzdem ihr Ding durchzuziehen. Untermalt vom Sound des Kasseler Duos Milky Chance, kann man sich den Emotionen der Protagonistinnen zwischen Ohnmacht, Wut, Verzweiflung, Trotz und Widerstand schwer entziehen.

Where to, Miss? ist nach Urmila der zweite Film, den TERRE DES FEMMES innerhalb eines Jahres zur Situation der Frauen großen Empörung 2012 aus dem Fokus verschwunden sind. Daher freuen wir uns, dass dieser mehrfach ausgezeichnete Film in Frankfurt im Rahmen der langen Nacht des Menschenrechts-Films gezeigt wird.

Die Städtegruppe wird mit einem Infotisch auf der Filmnacht am 7.03.2017 sein. Eintritt frei. HAUS AM DOM, Domplatz 3, 60311 Frankfurt.

Programm:

Beginn 19:00

Begrüßung
/Abendmoderation: Daniela Capelutti

19:15 Screening I: Morgenland

anschl. Gespräch mit
Filmemacherin Sonja-Elena Schröder

20:00 Screening II: Esperanza 43 und Künstler gegen das Verbrechen anschl. Gespräch mit
Moritz Krawinkel (medico international) & Ulli Röding (Ya-Basta-Netz)

Pause

21:10 Screening III: Where to, Miss?

Abschlussgespräch mit 
Marco Junghänel (Deutscher Menschenrechts-Filmpreis)

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Erhebt Euch, befreit Euch, trommelt, tanzt!


(Bild: K.W.)

Am Dienstag (14.2.) haben wir uns zusammen mit mehreren hundert Frauen, Männern und Kindern zum V-Day auf der Hauptwache versammelt und gegen Gewalt an Frauen und Mädchen, Sexismus und Rassismus getanzt. Gemeinsam mit vielen anderen Tänzer*innen auf der Welt tanzten wir zur Musik und Choreografie von One Billion Rising, als Teil einer internationalen Aktion, die seit dem 14.2.2012 (dem 15. V-Day) Tradition hat und in rund 200 Ländern mit Tanz-Demos begangen wird.

Anwesend waren auch ein paar “pussy hats” (diese knall-rosa Mütze auf dem mittleren Bild der Collage oben; https://www.pussyhatproject.com/) – die Antwort der Amerikaner*innen auf den dortigen aktuellen Anlass, sich daran zu erinnern, dass Frauenrechte und Menschenrechte immer noch keine Selbstverständlichkeiten sind.

Da hilft nur weiter-tanzen! ;-)

Der V-Day 2017 in Frankfurt wurde organisiert vom Frauenreferat der Stadt Frankfurt mit dem Frankfurter Aktionsbündnis, dem auch wir als Städtegruppe angehören.

Kleine Umschau zum V-Day 2017 und weiteren Infos zu V-Day und One Billion Rising:

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The March of the Women – Suffragetten-Taten fürs Pantoffelkino

von vergessenen Komponistinnen, Musik als Katalysator und einer ganz persönlichen Anekdote zum Film

Blogbeitrag von Susanne Wosnitzka

© DVD Suffragette / Concorde Home Entertainment http://www.suffragette-film.de/galerie/

„March, march, many as one – shoulder to shoulder and friend to friend!“, lauten die letzten Zeilen eines der legendärsten Demo-Songs aller Zeiten: des The March of the Women der britischen Autorin Cicely Hamilton (1872-1952), vertont von der ebenfalls britischen Komponistin Ethel Smyth (1858-1944).

Als geschlossenes Ganzes wollten sich die britischen Suffragetten geben und waren unter sich doch gespalten: Die einen warfen mutig lautstark Scheiben ein und ließen Briefkästen explodieren, die anderen hielten von zu viel klirrendem Aktionismus nichts und verhandelten diplomatisch auf gemäßigteren Wegen. Doch ein Slogan setzte sich durch: „Deeds – not words“. Taten statt Worte. Eine, die tätlich wurde, war auch Emily Davison. Sie gab für das Frauenwahlrecht sogar ihr Leben, indem sie sich bei einem der damaligen wichtigsten Pferderennen in den Weg des Pferds des Königs stellte, von diesem überrannt wurde und einige Tage danach ihren schweren Verletzungen erlag. In ihrer Hand hielt sie ein Tuch mit den Worten „Votes for women“. Hunderte weißgekleideter Frauenrechtlerinnen gaben ihr – festgehalten auf Zelluloid – das letzte Geleit. England hatte langsam begriffen.

Taten und Aktionen, die in ganz Europa für Veränderungen sorgen sollten. Taten und Aktionen, die geradezu danach schrien, verfilmt zu werden. Im Zuge der aufkommenden Frauengeschichtsforschung wurde die Geschichte der Suffragetten bereits in den 1970er Jahren als Mini-Serie der BBC unter dem Titel Shoulder to shoulder (Regie: Midge Mackenzie) verfilmt, in der selbst die Figur der Ethel Smyth dargestellt wird. Vereinzelt existieren biografische Filme und Dokumentationen, die das Leben der „großen“ Suffragetten und weiteren Frauenrechtlerinnen wie Virginia Woolf (A room of one’s own) darstellen. Ein Film, der einen tieferen Einblick in einen der wichtigsten Teile der Menschheitsgeschichte gibt, existierte bislang allerdings nicht. Mit Erscheinen von Suffragette im Februar 2016 wurde auch in Deutschland eine Lücke geschlossen. Allerdings existieren noch viele derartige Lücken.

Bereits in meinem Studium der Musikwissenschaft befasste ich mich mit vergessenen Komponistinnen – in der wissenschaftlichen Lehre kommen sie an vielen Universitäten und Musikhochschulen als regulärer Teil der Musikgeschichte bis heute nicht vor. Die pure Wut darüber, Leistungen von Frauen in diesem Bereich zu negieren, spornte mich an, mehr darüber wissen zu wollen. So fand ich meinen Weg zum Feminismus, daraus entstand meine eigene Vortragsreihe zu Komponistinnen des 12. bis ins 21. Jahrhundert que(e)r durch die Musikgeschichte – mit meinem Wissen unterstütze ich das in Frankfurt/Main beheimatete Archiv Frau und Musik (ältestes, größtes und bedeutendstes Archiv für Musik von Frauen weltweit) sowie als Mitvorstandsfrau den Verein musica femina münchen. Und so fand ich auch meinen Weg zu Leben und Werk von Ethel Smyth, denn Ethel Smyth und auch Cicely Hamilton waren beide homosexuell.

Mitte Juni 2016 lobte TERRE DES FEMMES über Facebook ein Gewinnspiel aus. Es winkten vier gerade frisch erschienene DVDs zum Film Suffragette (u. a. mit Meryl Streep und Helena Bonham Carter). TERRE DES FEMMES wollte wissen, was einem an diesem Film am besten gefallen hat oder warum man ihn sich gerne anschauen möchte. Sofort fiel mir Ethel Smyth mit ihren Geschichten und ihrer Musik ein, die eines meiner größten Vorbilder ist. Ich schrieb auf der Facebook-Seite von TERRE DES FEMMES folgende eigene Geschichte, mit der ich eine der DVDs gewann:

Als ich zum ersten Mal davon hörte, dass solch ein neuer Film unter dem Titel Suffragette (Regie: Sarah Gavron) geplant sei, ließ ich einen Freudenschrei los, um dann im nächsten Moment sofort zu grübeln anzufangen: würde eines der wichtigsten Elemente der Suffragettenbewegung hineinkommen? Der The March of the Women? Ich recherchierte, fand aber nur eine postalische Adresse von Abi Morgan, der Drehbuchautorin von Suffragette.

Ich schrieb ihr einen Brief von Hand, um sie zu bitten, den The March of the Women im Film nicht zu vergessen, mit DAS wesentlichste Element des Zusammenhalts unter den Frauen. Dieser Marsch war um 1910 vierstrophig speziell für die Demos der Suffragetten geschrieben worden. Als viele der radikalen Suffragetten inhaftiert wurden, sangen sie diesen Marsch nachweislich ununterbrochen auf Hofgängen im berüchtigten Holloway-Gefängnis. Viele der Frauen traten in Hungerstreik und wurden zwangsernährt.

Ethel Smyth um 1922. © wikimedia commons, allgemeinfrei

Emmeline Pankhurst, mit die Hauptanführerin der Wahlrechtskämpferinnen, soll sich teils als einfache Frau aus dem Volk ausgegeben haben, weil sie für sich wissen wollte, wie mit Frauen aus niedrigeren Ständen verfahren würde, denn Frauen aus höheren Ständen wurden anscheinend nicht zwangsernährt. Auf diese Weise wurde auch Emmeline Pankhurst, die in Hungerstreik ging, dieser folternden Prozedur unterzogen. In ihren Memoiren erzählt Ethel Smyth über diese Zeit und zitiert aus Briefen, die sie von Emmeline Pankhurst erhalten hatte. Darin berichtet Emmeline Pankhurst, wie ihr dieser Marsch sogar das Leben gerettet hatte: In einer Nacht nach einer Zwangsernährungsmaßnahme wollte sie sich umbringen, als sie die Schreie und das Weinen ihrer Mitkämpferinnen nicht mehr länger ertrug. Dann begann sie, diese ganze üble Nacht hindurch den The March of the Women zu singen sowie einen von Ethel Smyth komponierten Choral. An diese letzte Hoffnung, an diesen Mutmacher klammerte sie sich – und überlebte (nicht im Film dargestellt).

Ich schickte meinen Brief mit dieser wertvollen Geschichte darin also ab, eineinhalb Jahre vor Beginn der Filmproduktion. Keine Antwort. Am ersten Tag des Filmstarts war ich folglich im Kino – in britischen und US-Foren (der Film lief dort schon früher an) fragte ich zuvor im Internet, ob der Marsch im Film vorkäme: Niemand konnte es mir bestätigen. Aber: ER KAM DARIN VOR! Zumindest die erste Strophe des Marsches ist komplett mit in den Film eingeflossen! Ich war seligst beglückt. Ein kleiner Tribut auch an Ethel Smyth.

Ethel Smyth selbst war eine der herausragendsten britischen Persönlichkeiten, war fantastische Komponistin und – nach ihrer völligen Ertaubung – sensationelle Erzählerin, die zahlreiche autobiografische Bücher verfasste und somit einen Teil der Suffragettengeschichte(n) überlieferte.

Dieser neue Suffragetten-Film ist – trotz fiktiver Figur der Wäscherin Maud Watts und zu kurzen Auftritten von Emmeline Pankhurst  – hervorragend und bis in kleinste Details umgesetzt. Auch das Pferderennen, bei dem Emily Davison ihr Leben für das Frauenwahlrecht gab, wurde darin großartig nachgestellt und leitet direkt über in historische Aufnahmen dieser Zeit. Allerdings kann auch er nur einen Überblick über diese Zeit bieten. Nichtsdestotrotz gehört dieser Film verpflichtend in jeden Geschichtsunterricht, sollte von Mann und Frau gleichermaßen gesehen werden. Ich würde über jede einzelne Suffragette einen eigenen biografischen Film und/oder eine Dokumentation sehen wollen.

„Jede Frau [und jeder Mann] sollte mindestens ein Jahr lang Frauengeschichte studieren, egal, was sie sonst macht. Jede Frau ändert sich, wenn sie erkennt, dass sie eine Geschichte hat.“ (Gerda Lerner)

Weiterhin Taten statt Worte!

Zum Weiterlesen:

Ethel Smyth: Impressions That Remained. London/New York 1919/1946.

Ethel Smyth: Streaks of Life. London/New York 1921.

Ethel Smyth: What Happened Next. London/New York 1940.

Cornelia Bartsch, Rebecca Grotjahn, Melanie Unseld [Hrsg.]: Felsensprengerin, Brückenbauerin, Wegbereiterin. Die Komponistin Ethel Smyth; Rock Blaster, Bridge Builder, Road Paver: The Composer Ethel Smyth, Allitera, München 2009, ISBN 978-3-86906-068-2.

© Susanne Wosnitzka

Susanne Wosnitzka M. A. studierte nach ihrer Ausbildung zur Tischlerin und Möbelrestauratorin Musikwissenschaft, Klass. Archäologie, Europ. Ethnologie/Volkskunde und Kunstgeschichte an der Universität Augsburg. Während ihres Studiums entwickelte sie die Vortragsreihe Komponistinnen und ihre Werke im Spiegel ihrer Zeit. Susanne Wosnitzka arbeitet freischaffend u. a. für das Archiv Frau und Musik Frankfurt/Main, als Stadtführerin in Augsburg zum Thema FrauenMusikKultur-Geschichte, ist wiss. Beirätin der Deutschen Mozart-Gesellschaft, im Vorstand von musica femina münchen e. V. und Doktorandin. Zurzeit entstehen Publikationen zur Augsburger und süddeutsch-reichsstädtischen Musikgeschichte. Ein Schwerpunkt ihrer Forschungen ist auch lesbisches Leben v. a. im 18. Jahrhundert.

www.susanne-wosnitzka.de

The March of the Women auf  Youtube

Schulmaterial zum Film von Concorde Home Entertainment gibt es hier

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14.2.17 One Billion Rising, V-Day Frankfurt

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Tanz-Demo für ein gewaltfreies und selbstbestimmtes Leben. Für alle! Immer und überall!

Am Dienstag, 14.2.2017, ab 17:00 Uhr auf der Hauptwache / Katharinenkirche

Koordiniert von Frauenreferat der Stadt Frankfurt
Mehr Info auf Facebook
Flyer (Frauenreferat)

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